Handball All Star Game mit Christian Prokop, bad boys. Bob Hannings Fehler. DHB-Krise

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Christian Prokop - Handball DHB Bundestrainer - Deutschland - bad boys - Foto: Sascha Klahn/DHB
Christian Prokop – Handball DHB Bundestrainer – Deutschland – bad boys – Foto: Sascha Klahn/DHB

Handball All Star Game 2018 am 2. Februar 2018 in der Arena Leipzig: Es liegt fast genau ein Jahr zurück. Am 3. Februar 2017 wurde vor dem All Star Game auf einer DHB-Pressekonferenz Christian Prokop als neuer Bundestrainer vorgestellt. Und nun dies:

In der seit 2014 (Nichtteilnahme an der EHF EURO in Dänemark) tiefsten Krise des deutschen Männer-Handballs findet das Show- und Spektakel-Match zwischen der deutschen Handball-Nationalmannschaft und einer Weltauswahl der Handball Bundesliga wieder in Leipzig statt.

Dabei wird neben den Weltklasse verkörpernden Athleten wie die Vize-Europameister Mikael Appelgren und Niclas Ekberg aus Schweden, der Norweger Kristian Björnsen (HSG Wetzlar) oder auch der neue isländische Weltrekordhalter in Sachen Länderspiel-Tore, Gudjon Valur Sigurdsson, ein Mann im besonderen Mittelpunkt des Interesses stehen: Bundestrainer Christian Prokop.

Ein Kommentar von SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp.

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01.02.2018 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Handball All Star Game: Heimspiel für Prokop

Christian Prokop wird an seiner alten Wirkungsstätte mit seinem Ex-Klub SC DHfK Leipzig ein emotionales Heimspiel haben. Dieses hatte er bei den Pressevertretern der deutschen Leitmedien in Kroatien spätestens seit dem glücklichen Thriller-Remis im zweiten Vorrunden-Match gegen Slowenien nicht mehr. Denn die Nichtnominierung von Finn Lemke und die schwächere Abwehr- sowie Teamleistung gegen den WM-Dritten, der in der EM-Qualifikation zweimal klar vom DHB-Team beherrscht wurde, sorgten für einen Stimmungswechsel an der Medienfront gegen Christian Prokop. Diejenigen Leitmedien, die ihn zuvor als „Messias“ oder „Julian Nagelsmann des Handballs“ charakterisierten, wechselten schnell in den vollständigen Kritik-Modus und bauten nach der Spanien-Niederlage den „Ablösungs-Druck“ auf. Prokops Nachfolger wurden bereits in Kroatien genannt: Ljubomir Vranjes, Raul Gonzalez oder der beliebte deutsche Trainer und aktuelle DHfK-Coach Michael Biegler. In Deutschland kamen dann nach der EURO weitere Persönlichkeiten hinzu.

Zweite Chance bis zur Heim-WM geben

SPORT4FINAL „schwimmt“ diesbezüglich gegen den Strom: Obwohl die Redaktion die Personal- und Coaching-Fehler von Christian Prokop auch erkannte, bleibt die Meinung vorherrschend, dass ihm eine weitere Chance als Bundestrainer bis zur Heim-WM 2019 auch nach der „Hanning-Analyse“ gegeben werden sollte. Natürlich hat Prokop bei seinem ersten internationalem Turnier gravierende Fehler gemacht. Stimmungs-Probleme sind nicht ihm allein zu konzedieren. Auf der anderen Seite muss auch konstatiert werden, dass kein deutscher Nationalspieler an seine Leistungsgrenze bzw. an die Form der EURO 2016 annähernd heran gekommen ist und insofern das Team überbewertet wurde. Im Gesamtkomplex, und nicht nur einseitig zu Lasten von Prokop, müssen diese Fehler von der Mannschaft und des Bundestrainers ausgewertet werden. Denn Prokop seine vorher bekannte internationale Unerfahrenheit samt fehlender Erfolge nach der schwachen Europameisterschaft vorzuwerfen, ist gelinde gesagt unseriös und schwachsinnig.

Bob Hannings Entscheidungs-Fehler

Christian Prokops Schicksal als Bundestrainer ist eng verknüpft mit dem des DHB-Vize-Präsidenten Bob Hanning, der ihn als bad boys Chefcoach unbedingt haben und eine vorherige Absage Prokops nicht akzeptieren wollte. Doch blicken wir zurück: Fünf Tage vor dem DHfK-Match bei der SG Flensburg-Handewitt informierte Christian Prokop sein DHfK-Team und den DHB über seinen Verbleib in Leipzig. Dies wollte offensichtlich Hanning nicht akzeptieren und ließ nicht locker. Am Spieltag in Flensburg, anno 30. November 2017, kippte durch Hannings verstärktes Werben die zuvor getroffene Absage-Entscheidung und wurde durch Prokop nach dem Bundesliga-Spiel auf der Pressekonferenz als Zustimmung bekannt gegeben. Selbst DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther wurde von dieser Entscheidungs-Kehrtwende überrascht. Bob Hanning wollte Christian Prokop unbedingt haben und konnte im Vorfeld die „Risiko-Faktoren“ einschätzen. Insofern stellt dies den entscheidenden Fehler dar, der zwar nicht zwangsläufig zum EM-Platz neun führte, aber zumindest als „vorauseilende“ Ursache zu sehen ist. Sollte Prokop vom Amt des Bundestrainers entbunden werden, steht auch Hanning vor einem Scherbenhaufen, den er als DHB-Vize Leistungssport zu verantworten hat. Ein ganzes DHB-Präsidium in dieser deutschen Handball-Krise bei Männern und Frauen neu zu wählen wird nicht möglich sein bzw. ist unrealistisch. Insofern dürfte Bob Hanning infolgedessen der nächste personelle „Wackel-Kandidat“ sein.

Bad boys und Prokop können zueinander passen

Klar scheint folgender Zusammenhang unter der Voraussetzung, dass Christian Prokop Bundestrainer bleibt: Die bad boys und der Bundestrainer müssen sich mental und im Teamgeist aufeinander zu bewegen. Christian Prokop muss seine Spiel- und Mannschaftstaktik modifizieren und den Spieler-Gegebenheiten anpassen. Aber auch die Spieler sollten ihm respektvoll und spieltaktisch folgen, keine „Alleingänge auf der Platte produzieren“ und wieder zu alter Leistungsstärke in der Nationalmannschaft finden. Das Gerüst des Teams steht auch für die Heim-WM mit vielen Akteuren, die in Kroatien zu sehen waren. Vielleicht braucht das bad boys Team auch einen neuen Kapitän, der wirklich als verlängerter Arm des Bundestrainers auftritt und leistungsmäßig sowie im Teamspirit ein Vorbild ist.


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