Alfred Gislason und die Wahrscheinlichkeit seines Erfolges

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Alfred Gislason - DHB - Deutschland - Handball Bundestrainer - Foto: Sascha Klahn/DHB
Alfred Gislason – DHB – Deutschland – Handball Bundestrainer – Foto: Sascha Klahn/DHB

Handball Kolumne Dialog mit meinem Enkel: Grüß Dich Großvater. In unseren Schulferien diskutieren meine Freunde mit mir die sportliche Krise beim DHB. Fragen werden mir gestellt, die ich gern an Dich weiterleiten möchte.

Zum Beispiel: Warum ist der künftige Erfolg unserer deutschen Männer-Nationalmannschaft wahrscheinlicher mit dem Bundestrainer Alfred Gislason als mit Christian Prokop? Warum treten die Verursacher der DHB Krise, Bob Hanning und Axel Kromer, nicht von ihren Funktionen zurück? Da musst Du mir und meinen Freunden helfen, Großvater.

Denn meine Kumpels sagen ständig, jetzt kommen die Erfolge und Medaillen oder Titel durch unsere Jungs in jedem Jahr. Da bin ich als großer Handball-Fan sogar ein wenig verunsichert. Wenn ich mir überlege, dass unserer jungen Frauen-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im Dezember in Japan nur ein Tor zum Halbfinale fehlte, frage ich mich auch, warum wird nicht über die Mädels mehr gesprochen und geschrieben?

Also lieber Großvater, auch wenn Du jetzt nicht auf alle Fragen eingehen kannst, lass uns doch anfangen. SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp versucht, dem Enkel (11) Antworten zu geben.

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14.02.2020 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Handball Kolumne Dialog mit meinem Enkel: Mit Deiner ersten Frage spielst Du wohl auf den Satz von DHB-Vize-Präsident Bob Hanning an, der in der Pressekonferenz formulierte: „Der Erfolg ist mit Gislason wahrscheinlicher als mit Prokop.“ Der andere Vize und Liga-Präsident sowie „Strippenzieher“ des Trainer-Wechsels, Uwe Schwenker, selbst langjähriger Weggefährte von Gislason beim THW Kiel, ergänzte: „Mit Alfred haben wir einen erfahrenen und sehr erfolgreichen Mann gewinnen können … Wir gehen davon aus, dass wir in dieser Konstellation erfolgreich sein können … Die Aussicht auf die Zukunft hat aber den Ausschlug für Alfred gegeben. Wir kriegen einen Mann, der unglaublich souverän und charismatisch ist.“

Gislason vs. Prokop

Was wollen uns die beiden Herren Hanning und Schwenker eigentlich sagen, lieber Enkel? Erstens den Hinweis auf das Misstrauen in die weitere Arbeit sowie die Fähigkeiten von Christian Prokop als Bundestrainer. Alfred Gislason stellt die bessere Alternative dar, weil erfolgreicher und kompetenter. Der ehemalige Coach des THW Kiel und der isländischen Nationalmannschaft soll den Erfolg im deutschen Männer-Handball so gut wie garantieren, sprich er wäre so ziemlich sicher mit ihm, was im Wort wahrscheinlich drin steckt. Aber lieber Enkel, das weißt Du auch schon, dass man Erfolg im Sport nie voraussagen oder garantieren sowie mutmaßlich erzeugen kann. Insofern können wir nur hoffen, dass sich die beiden Funktionäre nicht irren. Denn die Männer-Bilanz der deutschen Nationalmannschaft seit dem Europameister-Titel 2016 in Polen und der Bronze-Medaille in Rio de Janeiro sieht schlecht aus:

2016: Europameister und Olympia Bronze

2017: WM-Neunter

2018: EURO-Neunter

2019: WM-Vierter

2020: EURO-Fünfter

Aber Großvater, der Trainer Gislason ist einer der erfolgreichsten in der Welt. Der wird schon wissen, wie die prognostischen Medaillen-Ziele des DHB umzusetzen sind. Da widersprichst Du mir doch wohl nicht, oder?

Alfred Gislason erfolgreicher Vereins-Coach

Natürlich nicht in diesem Punkt. Alfred Gislason gehört schon in die Reihe der erfolgreichsten Vereins-Trainer der Welt – neben Valero Rivera, Talant Dujshebaev, Xavi Pascual oder Noka Serdarusic. Der neue Bundestrainer gewann dreimal die Champions League: Mit dem SC Magdeburg (2002) sowie dem THW Kiel (2010, 2012). Beide Teams hatten zu diesen Zeitpunkten mehr als ein halbes Dutzend Weltklasse-Spieler im Kader:

2002 – SC Magdeburg:

Olafur Stefansson, Joel Abati, Oleg Kuleschow, Nenad Perunicic, Gueric Kervadec, Stefan Kretzschmar, Christian Gaudin sowie Steffen Stiebler, Bennet Wiegert

2010 – THW Kiel:

Thierry Omeyer, Kim Andersson, Marcus Ahlm, Aron Palmarsson, Daniel Narcisse, Momir Ilic, Filip Jicha, Henrik Lundström, Börge Lund, Peter Gentzel, Andreas Palicka sowie Christian Sprenger, Tobias Reichmann, Christian Zeitz, Dominik Klein

2012 – THW Kiel:

Thierry Omeyer, Kim Andersson, Marcus Ahlm, Aron Palmarsson, Daniel Narcisse, Momir Ilic, Filip Jicha, Henrik Lundström, Andreas Palicka, Daniel Kubes sowie Christian Sprenger, Tobias Reichmann, Christian Zeitz, Dominik Klein

Insofern war die Erwartungshaltung beim SCM und THW sehr hoch und die „Wahrscheinlichkeit“ eines Erfolges mit den damaligen besten europäischen Vereins-Mannschaften nicht gering.

Bitte auch nicht vergessen, dass Alfred Gislason als Coach des THW Kiel in Folge personeller Umstrukturierungen zwischen 2015 und 2019 keinen deutschen Meister-Titel gewinnen und „nur“ zwei Pokalsiege und einmal zum Abschied im vergangenen Jahr den EHF-Cup in eigener Halle erringen konnte. Die letzte Teilnahme am EHF Final4 der Champions League in Köln fand 2016 mit dem vierten Rang statt.

Alfred Gislason als National-Coach

Nun kommt das Aber zu Deiner Frage, lieber Enkel. Als Nationaltrainer war Alfred Gislason bislang nur einmal für Island zwischen 2006 und dem Ende der Europameisterschaft im Januar 2008 tätig. „Sein“ isländisches Team schied nach der Hauptrunde der EURO 2008 aus. Die olympische Silbermedaille 2008 in Peking durfte als Nationalcoach Gudmundur Gudmundsson mit dem Team Island feiern. Eine erfolgreiche Karriere als Chefcoach von Nationalmannschaften besitzt Alfred Gislason also nicht. Klar ist auch, dass sich die Trainer-Tätigkeit in einem Verein von der bei Nationalmannschaften inhaltlich und organisatorisch unterscheidet.

Lieber Enkel, eines darfst Du auch nicht vergessen. Die aktuelle Performance der deutschen Nationalmannschaft deutet nicht darauf hin, dass wir in der absoluten Weltspitze sind und höchstens zu den besten acht Teams gehören. Derzeit besitzen wir auch nur mit Hendrik Pekeler einen echten Weltklasse-Spieler in unseren Reihen. Die weltbesten Teams schicken mehr Ausnahme-Könner auf die Platte. Insofern wird die Aufgabe von Alfred Gislason nicht so einfach, die so heiß ersehnten Medaillen für Deutschland bei WM, EM und Olympia zu holen. Ziel des DHB in den nächsten Jahren ist es laut Präsident Andreas Michelmann, die weltbeste Nation im Handball zu werden.

Eigentlich kann Alfred Gislason diese Herkules-Aufgabe und seit 2016 andauernde Erfolgslosigkeit bei den Männern nur mit Olympia-Gold kompensieren. Kein olympisches Edelmetall oder WM-Plakette 2021 in Ägypten für Deutschland wäre auch schon wieder als Scheitern des neuen Bundestrainers Gislason anzusehen. Dies soll Deine Frage nach der Wahrscheinlichkeit von deutschen Medaillen abrunden.

Großvater, eine Frage schaffen wir doch noch? Ich meine folgende: Warum treten die Verursacher der DHB Krise, Bob Hanning und Axel Kromer, nicht von ihren Funktionen zurück?

Bob Hanning und Axel Kromer 

Dies ist schwierig zu beantworten. Einfach gesagt, sie sind sich zu wenig ihrer Schuld bewusst und besitzen wenig selbstkritisches Gewissen und die dazu gehörige sportliche Fairness. Zu Herrn Kromer. In seinem Interview bei der Frauen-Weltmeisterschaft vor dem entscheidenden Match gegen Schweden um die Fahrkarte zum Olympia-Qualifikations-Turnier lag er mit einigen Einschätzungen zum deutschen Team völlig daneben und bestätigte sehr wenig Sachkenntnis über den Zustand des Frauen-Teams. Nun folgte Kromers Job-Garantie für Prokop in Wien und die „Rolle rückwärts“ im Präsidiums-Beschluss zur Freistellung des Ex-Bundestrainers. Ähnlich waren die Aussagen von Bob Hanning bei der EHF EURO über die Weiterbeschäftigung von Christian Prokop.

Bob Hanning, der als DHB-Vize immer starken Einfluss bei der Auswahl der Bundestrainer von Frauen und Männern in der Vergangenheit ausübte, lag nicht nur bei Prokop falsch. Selbst bei den Frauen unterliefen Hanning größere Fehleinschätzungen mit Jakob Vestergaard und vor allem mit Michael Biegler, der dann später auch noch als Vereins-Coach des SC DHfK Leipzig versagte. Selbst dies sind schon genügend Gründe, um Bob Hanning seit einigen Jahren zum Rücktritt zu bewegen. Hinzu kommt die Täuschung der Handball-Gemeinde zu Prokop.

Ein ausgewiesener Handball-Fachkenner wie Hanning wäre bereits während der Europameisterschaft in der Lage gewesen, eine fundierte Analyse zur deutschen Mannschaft abzugeben. Die „Rolle rückwärts“ im DHB-Präsidium wirft kein gutes Licht auf den Sachverstand des Füchse-Managers und DHB-Vize. Ich glaube, mehr ist hierzu nicht zu sagen. Denn Rücktritte von Kromer und Hanning stehen aktuell nicht auf der Tagesordnung.

Die weiteren Fragen, lieber Enkel, können wir bald wieder besprechen. Genieße erstmal Deine Ferien. Grüße.

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