Xenia Smits: „Über diese Grenze hinaus zu gehen“

Handball EM 2022 EHF EURO - Xenia Smits - Deutschland - DHB - Copyright: Kenny Beele/DHB
Handball EM 2022 EHF EURO – Xenia Smits – Deutschland – DHB – Copyright: Kenny Beele/DHB

Handball EM 2022 EHF EURO Frauen Europameisterschaft: Deutschland. DHB. Im Gespräch mit Xenia Smits.

SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp sprach mit Deutschlands Nationalspielerin Xenia Smits während des Vorbereitungs-Lehrgangs auf die Handball EHF EURO der Frauen in Slowenien, Nordmazedonien und Montenegro.

Aus Sicht der Redaktion hat sich Xenia Smits auf Ihren Stationen in Metz und Bietigheim zu einer Weltklasse-Spielerin entwickelt. Für den Berichterstatter ist die 28-Jährige die aktuell kompletteste Spielerin der deutschen Nationalmannschaft in der Summe der Gesamt-Performance in Abwehr und Angriff.

Bundestrainer Markus Gaugisch über Xenia Smits: „In der Deckung gibt es in Europa nicht viele Spielerinnen, die ihre Qualitäten vorzuweisen haben. Im Angriffsspiel ist sie mit ihrer Dynamik, ihrer Eins-Eins-Qualität und dieser überragenden Athletik natürlich eine Spielerin, die wirklich in vielen Bereichen des Spiels internationales Top-Niveau erreicht. Zudem ist sie auch für die Mannschaft sehr wichtig, weil sie andere pusht und mit motiviert. Es ist super mit ihr zusammen zu arbeiten im Verein und natürlich auch in der Nationalmannschaft. Eine sehr, sehr wertvolle Spielerin.“

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28.10.2022SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Handball EM 2022 EHF EURO Frauen Europameisterschaft: Xenia Smits über

Entwicklung in Metz zur Weltklasse-Spielerin: „Ich hatte eine gute Entwicklung dort. Ich durfte viel Verantwortung übernehmen. Ich hatte sehr gutes Training – taktisch und technisch. Ich habe viel von den Spielerinnen und dem Trainer gelernt. Es war zu dem Zeitpunkt die richtige Entscheidung in meiner Entwicklung, nach Metz zu gehen. Ich kann zu 100 Prozent sagen, Metz und Emmanuel Mayonnade haben enorm zu meiner Entwicklung beigetragen.“

MVP in Frankreich: „Das war in der Saison 2018/2019, da wurde ich als MVP ausgezeichnet. Das war schon die ‚Kirsche auf die Sahnetorte‘. Für mich ziemlich unerwartet, aber einfach schön.“

Bietigheim ins EHF Final4? „Wir wollen da auf jeden Fall ganz nach oben. Daran werden wir alles setzen, damit es vielleicht schon diese Saison möglich ist.“

kompletteste Spielerin in deutscher Nationalmannschaft für Reporter? „Schön, dass es vielleicht manche so sehen.“

Abwehrspezialistin? „Ich war schon immer eine Spielerin, die Abwehr spielen konnte. Vielleicht nicht so auffällig, wie es jetzt ist. Da hat mir vor allem Beatrice Edwige geholfen, mit der ich in Metz lange Zeit zusammengespielt habe. Und auch vor allem die Art und Weise, wie Manu damals decken wollte. Die Entwicklung der Mannschaft in Metz hat mir persönlich sehr geholfen, um auch andere Auffassungen von der Abwehrarbeit zu sehen. Aber auch, um im Angriff meine Akzente zu setzen. Durch die Schulterverletzung musste ich mich etwas im Angriff zurücknehmen, aber nicht weniger für die Mannschaft tun. Ich habe dann aber auch in Bietigheim mit Markus Gaugisch einen Trainer gefunden, der mehr auf die Abwehr fokussiert ist und dies auch noch mehr gepusht hat.“

Entwicklung in Bietigheim: „Metz war ein Sprungbett, aber wenn man in einem neuen Verein ankommt, bekommt man auch neuen Input. Es braucht aber Zeit, um zu verarbeiten und anzunehmen. Sicherlich bin ich noch nicht am Ende meiner Entwicklung. Jedes Jahr, jede Trainingseinheit und jeder Lehrgang helfen da noch. Es kommen einfach neue Sachen hinzu, wo man einfach schlauer wird und mehr über sich selber weiß. Jeder Trainer gibt da etwas Neues hinzu. Markus Gaugisch hat vor allem bei mir in der menschlichen Entwicklung viel bewirkt. Da ist noch einiges in der Entwicklung möglich – sowohl sportlich als auch menschlich. Jeder Schritt hat vor allem immer etwas Gutes an sich gehabt. Es ist schön, dies im Nachhinein so zu betrachten.“

Verein im Ausland nach 2023: „Das schließe ich nicht aus. Da hatte ich noch nie Angst davor. Für mich habe ich erstmal entschieden, mich auf die EM zu fokussieren und mir nach der EM dann Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ausschließen tue ich es nicht, aber unbedingt muss es auch nicht sein. Ich bleibe aber auch gern in Deutschland.“

5 Bundestrainer seit 2014 kennengelernt: „Bei Henk wurde ich im Angriff weniger eingesetzt, dafür mehr in der Abwehr. Das habe ich auch gelernt, zu akzeptieren. Das habe ich als Stärke und nicht als Schwäche gesehen. Es gab bei allen Bundestrainern immer einen Input, den man auch für den Verein nutzen konnte. Das sehe ich nicht unbedingt als schlecht an, dass man so viele Bundestrainer hatte. Für die Konstanz ist es vielleicht etwas anderes, aber jetzt mit Markus Gaugisch, den kenne ich aus dem Verein. Seine Erwartungen und Qualitäten sind nicht unbedingt anders. Ich weiß, was er von mir hält und erwartet. Es ist schön, dass man sich da nicht komplett umstellen muss. Auf der anderen Seite ist es auch für die Mannschaft die Aufgabe, seine Erwartungen umzusetzen, obwohl die Mannschaft nach der kurzen gemeinsamen Zeit noch nicht zu 100 Prozent weiß, was er erwartet.“

Sprung in die Weltspitze oder Halbfinale / Finale – was fehlt noch? „Der Sieg im Viertelfinale (lacht). Die Leistung dort zu 100 Prozent abzurufen und besser zu sein, als das Beste, was wir in uns haben. Einfach über diese Grenze hinaus zu gehen. Wir sind zwar noch jung, aber mittlerweile haben wir auch immer mehr internationale Erfahrung. Ich glaube tatsächlich, dass uns das hilft. Wenn wir viel aus den Vereinen mitnehmen, können wir das in der Nationalmannschaft auch einbringen. Aber wir haben mit dieser Mannschaft in den letzten Jahren Erfahrungen gesammelt. Das bisschen Qualität mehr wird uns helfen, da noch einen Schritt nach oben zu machen.“

Crunchtime: „Ich glaube, es ist eine gewisse Ruhe und eine Überzeugung, die man haben muss. In Bietigheim trainieren und spielen wir schon längere Zeit zusammen. Gegen die Vipers (Kristiansand, Champions-League-Sieger 2021 und 2022 – d.R.) wussten wir: Keine Panik und Schritt für Schritt sowie Tor für Tor aufholen. Es wird schon. Das haben wir hier in der Nationalmannschaft immer noch nicht so verfestigt. Da sind wir aber auf dem richtigen Weg. Wir sagen da, aufgeben ist keine Option. Also Tor für Tor aufholen. Das wird jetzt auch kommen.“

Halbfinale bei der EHF EURO? „Das ist auch abhängig von der Vorrunde. Wenn wir da eine richtig ordentliche Leistung hinlegen, können wir viele Punkte auch mitnehmen. Es ist wichtig, wie präsent wir von Anfang an sind. Und es ist auch davon abhängig, was in den anderen Gruppen passiert. Wir wollen da auf jeden Fall hin. Wir fahren nicht hin, um zu verlieren. Wir werden uns in jedes Spiel zu 100 Prozent reinhängen. Wir hoffen, dass es jetzt diesen wichtigen Schritt für uns in die richtige Richtung geht. Nach einigen Jahren, wo es knapp war, wollen wir jetzt diese Stufe nehmen.“

Wie sieht spielkulturell dieser letzte Schritt auf der Platte aus? „Eine ordentliche bis sehr gute Abwehr hinlegen. Sehr hart, dass sie am liebsten nicht mehr wieder kommen wollen. Dann mit leichten Ballgewinnen nach vorne möglichst einen schnellen Abschluss suchen. Wenn nicht möglich, dann einfach einen konzentrierten, fokussierten, zielgenauen Angriff vortragen mit einer natürlich hohen Treffer-Quote. Einfach eine hohe Effizienz im Angriff. Das hört sich sehr leicht an. Für uns wird es wichtig, sehr wenig technische Fehler zu machen und einfach mit Konsequenz und Vollgas auf die Lücken zu gehen. Alles rein zu hauen, was wir haben. Wenn wir alles so optimal umsetzen, dann ist es wirklich diese letzte Stufe. Denn Qualität haben wir in der Mannschaft.“

Lieblingspositionen in Abwehr und Angriff: „In der Abwehr habe ich keine. Ich finde es mittlerweile gut, überall zu spielen und meine Rolle da anzunehmen. Alles, was ich zerstören kann, zerstöre ich da und genieße das dann auch. Im Angriff bin ich auch flexibel einsetzbar. Ich spiele gern auf Rückraum links. Aber wenn ich auf Rückraum Mitte oder Halbrechts gesehen werde, dann nehme ich das auch gerne an. Ich würde keine feste Position auswählen.“

Favoriten bei EHF EURO neben Deutschland?: „Ganz oben ist natürlich immer Norwegen dabei. Dänemark war in den letzten Jahren auch sehr stark. Natürlich sind die Gastgebernationen nicht zu vergessen. Die werden da auch alles reinhängen. Frankreich immer, Norwegen immer, Spanien auch. Ich glaube, es gibt keine Mannschaft, wo wir sagen können, die schlagen wir mit 50 Prozent.“

EURO nur „Durchgangsstation“ auf Weg zu Olympia 2024? „Durchgangsstation würde ich es nicht nennen. Die EURO kann schon jetzt ausschlaggebend sein, ob es für uns eine Möglichkeit gibt, ein Qualifikationsturnier oder Olympia direkt zu spielen. Deswegen wollen wir nicht die EM auf dem Weg dorthin betrachten, sondern erstmal die EURO für sich so gut abzuschließen, wie es auch nur geht. Dann mit dem Optimalem, was wir da erreicht haben, weiter zu schauen. Erstmal liegt der Fokus auf dieser EM und nicht auf der ‚Durchreise‘ zu den Olympischen Spielen.“

Paris 2024 das Nonplusultra für Sie? „Sicherlich. Aber diesen Traum haben wir alle. Unabhängig davon, ob es Frankreich ist oder wie ich in Metz spielte oder nicht. Es wäre für mich ja ein kleines Plus. Aber egal, wo Olympische Spiele wären, ich würde gern dahin. Daran werden wir alles setzen, damit es für uns in 2024 möglich wird.“

Ihr Umgang mit dem Thema psychische Gewalt? „Es ist jetzt schon ein Thema, was aufgearbeitet werden muss. Für mich persönlich: Man macht sich seine Gedanken. Ich habe mich jetzt nicht weiter damit beschäftigt, weil es mich im Moment einfach nicht betrifft. Es wird von allen Seiten daran gearbeitet. Es tut mir leid für die Mädels, die jetzt davon betroffen waren. In der Presse habe ich viel gelesen. Es schadet auf jeden Fall dem deutschen Frauen-Handball oder dem Frauen-Handball allgemein. Es ist ein Thema, was jetzt besprochen und künftig vermieden werden muss. Es ist unglaublich wichtig, dass alles aufgeklärt wird und es irgendwann wieder Ruhe gibt.“

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